Archiv

Archiv für den Monat April 2012

Ich sag’s mal vorweg ohne Anmoderation: Wir haben uns in Neumünster die Schiedsgerichts­ordnung zersägt, weil der Parteitag schlecht vorbereitet und unaufmerksam war.

Nein, ich kenne mich nicht mit den juristischen Einzelheiten der Schiedsgerichtsbarkeit aus. Aber das braucht es auch nicht, um die Vorgänge in der ersten Stunde in Neumünster zu bewerten, und zudem teilen kundige Piraten, darunter Bundesschiedsrichter, meine Einschätzung.

Die Vorgeschichte: Als einer der ersten TOPs nach Eröffnung des BPT 12.1 standen die Anträge S012 und S028 zur Abstimmung. [Update: Zahlendreher berichtigt]
Bei S028 handelte es sich um ein Update der Schieds­gerichts­ordnung von Markus Gerstel, der als Richter im Bundesschiedsgericht ein Jahr Erfahrung gesammelt und die aus seiner Sicht angebrachten Änderungen übersichtlich zusammengestellt hat.
Bei S012 handelt es sich um einen quasi-Neuschrieb der SGO, zu dem es keine übersichtliche Zusammenfassung der Änderungen gibt, sondern nur eine zweifelhafte, von Meinung geprägte Zusammenfassung des Antragsstellers. Beispiel gefällig? Hier: „[zu §11] Alles weitere in Absatz 7, 10 und 11 sind Klarstellungen, die man einfach nur lesen und anwenden muss. Aber diese Regelung schaffen nur Klarheit.“ Ach so. Na dann.
Beim Vorbereitungstreffen mit Antragsbesprechung im LV Hamburg waren wir eindeutig gegen den S012 und für den S028, vor allem wegen der Vertrauenswürdigkeit der Antragssteller und der Präsentation und Verständlichkeit der Anträge.

Was dann geschah: Als aber der BPT begann, lag der Grad der Vorbereitung und Konzentration in der Versammlung bei nahezu null. Für S012 gab es viele laute Redebeiträge, hauptsächlich von Seiten der Antragsteller und ihrer Kumpels. Markus Gerstel war eher leise und ging in der Flut von gerufenen Totschlagargumenten à la „Alles andere als Antrag S012 wäre gesetzwidrig!“ unter.

Das wäre an sich ja noch keine gefährliche Situation, wären die Mitglieder vorbereitet gewesen. Ein Vergleich der Anträge und die Meinung von Piraten mit Ahnung hätten gereicht, um mindestens den S012 zu verhindern. Leider bewegte sich die Aufmerksamkeit in der Versammlung auf dem Niveau: „Kannst Du mal das Kabel da ziehen? Wo isn meine Mate?  Hey, guck mal, da ist Afelia! –– Hä, Abstimmung? Wasn los, was stimmen wir da ab? Naja egal, die sagen alle ja …“

Foto eines dicken Buches, der ZivilprozessordnungAuch kurz danach, als noch von dem Antrag abhängige Module abgestimmt werden, merkte kaum jemand auf – dabei hätte spätestens dort jedem klar werden müssen, dass etwas ganz furchtbar schief läuft. Der Antragsteller sagte (Timestamp 2012-04-28 11:49:11 im vorläufigen Wortprotokoll):

„Die Zivilprozessordnung sollanalog herangezogen werden, und zwar in allen Fragen, die wir nicht in unserer Satzung regeln.“

Die Zivilprozessordnung! What could possibly go wrong?! Habt ihr mal eine Zivilprozessordnung gesehen? Ich habe uns mal ein Symbolbild mitgebracht (s. rechts).

Ist das vielleicht gar nicht so schlimm, bekommen erfahrene Schiedsrichter das hin? –– Pustekuchen. Nicht nur sagte mir ein IMHO fähiger Pirat und erfahrener Schiedsrichter, dass diese SGO eine Katastrophe sei, und seine erneute Kandidatur auf der Kippe stünde. Zudem twitterte Markus Gerstel:

Hehe. Keine andere Partei ist so dämlich sich die ZPO ans Bein zu nageln. m)

Aber hey, vielleicht kann der Antragsteller das ja gut begründen. Was sagt denn der Antragsteller dazu? (Quelle: Antragsportal, ziemlich weit unten in der Begründung, Abschnitt „Modulantrag 1“)

„Gegen diese Regelung wurde von Laien eingewandt, dass man keine „Monster“-ZPO haben wolle, die man ohnehin nicht verstünde und nicht anwenden könne. Diese Mei-nung verkennt aber, dass auch der Laienschiedsrichter ein gewisses Minimum an Bereitschaft aufbringen muss, Rechtsvorgänge einzuordnen, sich ggf. Rat einzuholen, um so zu einem fairen und transparenten Verfahren zu gelangen. Es geht nicht an, dass hier alle Landesschiedsgerichte völlig losgelöst von allgemeinverbindlichen Regeln nach ihrem gesunden ‚Bauchgefühl‘ urteilen.“

Herzallerliebst, oder?

Damit sowas nicht ständig wieder passiert, müssen sich die Leute auf den BPT vorbereiten und sich bewusst sein, dass ab der ersten Minute gewichtige Entscheidungen getroffen werden. Dann hätten wir sicherlich auch nicht in Offenbach das Bundestags-Wahlprogramm über den Haufen geworfen, dessen Kernthemen-Anträge wir bis Mitte 2013 nun extra nochmal abstimmen müssen.

Zum Abschluss ein Protipp: Wer keine Zeit hat, sich die wichtigen Anträge, oder auch nur die nach Tagesordnung aussichtsreichen anzuschauen, der sollte sich im Vorfeld Empfehlungen über Zustimmung und Ablehnung von für ihn vertrauenswürdigen Piraten einholen und auf dem BPT parat haben. Planlosigkeit kills Basisdemokratie!


Nachtrag (September 2012): Möglicherweise wird alles gut: @DanielaKayB kümmert sich um eine Korrektur dieses Schlamassels:

Advertisements

Mit geringen Materialkosten konnte ich anhand einer alten Vorlage einen Schaltkreis bauen, mit dem der übliche Line-Tonausgang von Laptops, MP3-Geräten u.A. an einem Phono-Eingang funktioniert. Kommerzielle Produkte mit dem gleichen Zweck (wie dieses und dieses) kosten mit €20–23 das doppelte bis dreifache.

Alles fing damit an, dass wir in der Hamburger Piraten-Geschäftsstelle eine Stereoanlage stehen haben, die nur einen Phono-Eingang hat. Man konnte seinen Rechner dranhängen, aber das Signal war massiv übersteuert, besonders für die niedrigen Frequenzen. Die Lautstärke der Anlage sowie die tiefen Frequenzen per Equalizer stark runterzuregeln machte den Ton erträglich und verständlich, aber alles andere als schön.

@sl80 erinnerte sich an einen alten Konverter-Schaltkreis, der im Internet beschrieben ist und schlug vor, ihn selbst zusammenzubauen. Der Schaltkreis ist seinerseits eine vereinfachte Version von einem, der in der Zeitschrift Elektor Electronics veröffentlicht wurde (siehe Artikel).

Line signal to phono input (MD/MC) converter by Tomi Engdahl (1995)Alle erforderlichen Teile konnte ich ohne Bestellung einfach bei CONRAD am Bauteile-Tresen mitnehmen (mit Ausnahme des 147 kΩ-Widerstands, für den auch ein 150 kΩ-Widerstand funktioniert). Hier ist eine Liste der Teile:

Benötigte Teile
Bauteil Art.-Nr. Preis
2x Widerstand 1 MΩ 403610 € 0,10
2x Widerstand 150 kΩ 403512 € 0,10
2x Widerstand 68 kΩ 403474 € 0,10
2x Widerstand 470 Ω 403210 € 0,10
2x Kondensator 2,2 nF 453021 € 0,24
4x Kondensator 1,5 nF 453013 € 0,24
2x Cinch-Buchse (1x rot, 1x schwarz) 734157 € 1,58
Summe € 5,40
Optionale Teile
Experimentierkarte (nur zum Teil verbaut) 529632 € 2,47
Kunststoff-Gehäuse (schwarz) 522635 € 3,07

Soll kein vorhandenes Kabel „geopfert“ werden, um als Ausgangskabel für den Filter zu dienen, kommen noch ca. 1 m Kabel und zwei Cinch-Stecker für zusammen etwa € 3–4 dazu. An Werkzeug hatte ich nur das Übliche: Lötkolben, dritte Hand usw. Einzige Besonderheit war ein Schälbohrkopf, mit dem sich hervorragend Löcher für die Cinch-Buchsen in das Plastik-Gehäuse bohren ließen.

Der erste Prototyp, der für einen Kanal wie gewünscht funktionierte, sah so aus:

Dann wurde ein kleines Stück der Platine etwas enger mit den Teilen für zwei Kanäle bestückt, das Gehäuse mit den entsprechenden Löchern versehen und die Anschlüsse verkabelt:

Als Finishing habe ich die Unterseite der Box durch ein Stück transparentes Plastik ersetzt, damit man die Awesomeness sehen kann 😀 Aufkleber oben drauf, fertig!

Endlich guter Sound in der Geschäftsstelle! \o/