Olympische Ringe im Stadtpark: Weniger als 5000 Teilnehmer

Alles redet darüber: Tausende Menschen haben mit bunten Wegwerf-Regencapes im Stadtpark in Hamburg die Olympischen Ringe gebildet. Die Aktion hat es sogar auf tagesschau.de geschafft:

Screenshot: tagesschau.de am 8.11.2015

Screenshot: tagesschau.de am 8.11.2015

Es gab im Zusammenhang mit der Aktion schließlich die wildesten Behauptungen bezüglich der Zahl der Teilnehmer. Hier einige Verlautbarungen bezüglich der Teilnehmerzahl in aufsteigender Reihenfolge:

Besonders das DPA-Foto auf tagesschau.de bietet sich an, um die Menschen im Foto tatsächlich zu zählen. Sie stehen relativ locker, und der gelbe Ring hat einen hervorragenden Kontrast zu den andersfarbig gekleideten Teilnehmern und der Wiese. Jeder Mensch nimmt ziemlich genau 3×5 Pixel des Bildes ein, sodass man sie einfach bedecken und dabei abzählen kann. Also los:

Offensichtlich bilden nicht einmal 800 Menschen den gelben Ring. Die Methode ist natürlich nicht exakt, sondern zweifellos fehlerbehaftet. Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich maximal jede zehnte Person übersehen, also schlimmstenfalls nur 90 Prozent der tatsächlich abgebildeten Menschen gezählt habe. Dann müssten die 766 auf rund 850 nach oben korrigiert werden. Doch selbst wenn meine Fehlerquote doppelt so groß gewesen wäre, und die Zählung nur 80 Prozent der tatsächlich anwesenden Personen mit gelbem Wegwerf-Regencape erfasst hätte, wären es immer noch weniger als 1.000 Personen, die den gelben Ring bilden. Nur wer zusätzlich noch behauptet, ausgerechnet der gelbe Ring hätte aus weniger Menschen bestanden als die anderen, kann sich die vorliegenden Daten vielleicht noch zu 5.000 Teilnehmern zurechtbiegen.

Mein Fazit ist: Auf der Wiese standen allerhöchstens 5.000 Menschen, wahrscheinlich weniger. 17.000 ist eine lächerliche Behauptung, genau wie 13.200. Am ehesten hat der Bild-Redakteur eine realistische Größenordnung angegeben, als er von 6.211 Menschen in den Ringen sprach – aber selbst das wäre um mindestens 1.000 Menschen übertrieben. Wo die übrigen 6.989 „Olympiafans“ gewesen sein sollen, wurde an keiner Stelle der Berichterstattung plausibel gemacht. Vielleicht wurden alle Menschen gezählt, die während der mehrstündigen Aktion versehentlich den Stadtpark durchquert haben.

Update (9.11.2015, Vormittag)

Inzwischen melden sich Angehörige der Olympia-Kampagne zu Wort. Es ergibt sich folgendes Bild für die Herkunft und Grundlage der Zahlen:

  • 6.211 soll das Ergebnis einer Zählung durch Guinness World Records sein.
  • 13.200 soll die offizielle Schätzung der Polizei sein.
  • 17.000 hat sich irgendjemand ausgedacht.

Weitere Zählungen verschiedener Fotos sind inzwischen auch aufgetaucht:

Beide Einschätzungen sind mit meiner Zählung vereinbar, auch wenn sie darauf hindeuten, dass ich um 15 bis 20% zu niedrig gegriffen haben könnte (siehe Fehlerabschätzung oben). Es bekräftigt sich die ursprüngliche Interpretation: Die Fotos zeigen ungefähr 5.000, höchstens 6.000 Menschen.

Wo die weiteren 7.000 (Polizei-Schätzung) oder gar 11.000 („Hamburg 2024“, Abendblatt) nicht abgebildeten Teilnehmer abgeblieben sein sollen, konnte bisher nicht plausibel gemacht werden. Initiator Frederik Braun argumentiert in einem Facebook-Post (Link, Screenshot), es seien etwa 3.000 Teilnehmer weder fotografiert noch gezählt worden. Selbst wenn er Recht hätte, wären die Schätzungen von Polizei und „Hamburg 2024“ um 3.000 bzw. 7.000 Leute überzogen.

10 Kommentare
  1. Hamburg2024 sagte:

    Reche doch einfach mal aus, wieviele das NO gebildet haben, dann haste mehr Freitzeit übrig, die Du besser für andere Dinge einsetzen kannst.

  2. Hansjörg Burmeister sagte:

    Moin, Du Klugscheißer, kaufe Dir ne Lupe und nehme Dir die Zeit nachzuzählen ! Korrigieren darfst Du auch gerne !

    Mit sportlichen Gruß
    Jörg. ein Olympia-Beführworter

  3. Gerrit Braun - Miniatur Wunderland sagte:

    Lieber Michael Bülker, bist Du Dir eigentlich über die Tragweite Deiner Anschuldigungen bewusst? Wolltest Du der Linksfraktion die Grundlage für ihre öffentliche Diffamierung gegen uns, dass wir „Fans erfinden“, geben? Der Welt (die Zeitung) für ihren Titel „War der Olympia-Weltrekord im Stadtpark gar keiner?“, ebenso der Hamburger Morgenpost? Und Du setzt Dich hin und wertest wahrscheinlich stundenlang ein Bild ganz am Ende der Aktion aus, wo bereits nach den aggressiven Störungen dieses Familienevents eben genauso viele dieser Familien aus Sicherheitsgründen schon gegangen waren? Warum fragst Du nicht einmal nach dem Bild was der unabhängige, vereidigte Wirtschaftsprüfer ausgewählt hat? VOR den Störungen. Hier sind an einem Sonntag morgen Menschen FÜR etwas aufgestanden und erlebten Freude. Einen der Sinne des Lebens! Und Du möchtest es denen nehmen? Warum? Wir haben die 13.200 NICHT veröffentlicht, im Gegenteil, wir haben diese Zahl deutlich nach unten korrigiert und damit der Polizei Hamburg sicher keinen Gefallen getan. Immer nur gegen alles ein und runterkommentieren – So eine Energieverschwendung macht mich traurig, wird mich aber nicht davon abhalten auch weiterhin mich FÜR etwas einzusetzen! Daher bin ich auch zum Antiolympischen Kongress der Universität Hamburg gegangen um mal dieses ätzende Schwarz-Weiß Denken einiger Polemisierer in dieser Stadt in einen Dialog umzuwandeln. Hat mit den wenigen Besuchern dieses Kongresses auch auf wundervolle Art und Weise geklappt. Aber da war auch kein angstgetriebener oder Aufmerksamkeit Suchender NEIN Sager dabei. Sondern dort wurde sachlich über Olympiakritik geredet von der ich viel an mein Herz rangelassen habe und die ich auf dem weiteren Wege immer im Hinterkopf halten werde. Und den weiteren Weg des Dialoges wünsche ich mir sehr, denn nur mit JA oder NEIN werden wir alle die Welt nicht verändern. Ich wünsche mir ein JEIN hinter dem am Ende alle stehen können, weil man es gemeinsam erarbeitet hat. Dazu brauchen wir leider beim Referendum erst einmal das aus schwarz und weiß geformte JA.

    In der Hoffnung, dass nur Schwarz oder Weiß nicht auch Deine Devise ist

    Viele Grüße
    Gerrit

    • Michael Büker sagte:

      Hallo Gerrit. Die Auswertung des Bilds hat kaum eine halbe Stunde gedauert. Wenn es noch andere Fotos gibt, auf denen wesentlich mehr Leute zu sehen sind, schaue ich mir die der Fairness halber gern noch einmal auf die gleiche Weise an.

      Es liegt mir fern, irgendjemandem die Freude an irgendetwas zu missgönnen. Mir war lediglich aufgefallen, dass die Zahl der Menschen in den veröffentlichten Fotos nicht mit den berichteten Teilnehmerzahlen übereinstimmen kann. Das habe ich überprüft, und über meine Ergebnisse berichtet. Wenn Du der Meinung bist, dass die Linksfraktion oder Hamburger Onlinemedien daraus unzulässige Schlüsse ziehen, musst Du das mit denen ausmachen.

      Deine Argumentation, dass ein zufriedenstellendes Ergebnis für Hamburg nur erzielt werden kann, wenn das Referendum zunächst positiv ausgeht, halte ich für Blödsinn. Die Stadt würde sich mit der Abgabe einer Bewerbung in eine unvorhersehbare Kostenfalle stürzen, die sich angesichts ihrer zukunftsfeindlichen „Schuldenbremse“ umso dramatischer auswirken würde. Die Knebelverträge, die das korrupte IOC Städten aufdrückt, verheißen Sicherheitshysterie, monokulturelle Kommerzwüsten und soziale Verdrängung.

      Die Träume des Senats, die Spiele in irgendeiner Weise „gestalten“ zu können, sei es ökologisch, sozial oder kulturell, sind realitätsferne Luftschlösser. Der Senat hätte nicht einmal die Chance, sich ein bestimmtes Nummernschild für die Dampframme auszusuchen, die über die Stadt rollen würde. Das IOC baut auf dem Prinzip, dass es sich nichts vorschreiben lässt, sondern alles selbst diktiert. Herrje, es gibt sogar ein eigenes Gesetz, das der Bundestag für das IOC beschlossen hat, um die Marke „Olympia“ zu schützen! Ein „Olympiabrötchen“ beim Bäcker nebenan, so wie das „Weltmeisterbrötchen“ damals? Pustekuchen, ist verboten. Stattdessen überall McDondald’s und Coca Cola als Hauptsponsoren, Werbung für Konkurrenzprodukte hat aus dem Stadtbild zu verschwinden. (Nachweis hier – ich frage mich, was die Fritz-Kola-Brüder wohl davon halten.)

      Die einzig vernünftige Option ist, von vornherein die Finger von einer Bewerbung zu lassen, so wie es Boston und Oslo aus guten Gründen letztlich auch getan haben.

      • Gerrit Braun sagte:

        Hallo Michael. Danke für Deine Antowort! Mag sein, dass meine Meinung zu romantisch ist, aber ich bin weiterhin davon überzeugt, dass wir in kleinen Schritten in der Welt etwas ändern können. Und Olympia in Hamburg wäre lässt sich zu so einem machen. Im Gegenteil zu Spielen in Katar… Deine Argumentation kenne, verstehe und respektiere ich. Die Argumentation mit der Sicherheitshysterie und der monokulturellen Kommerzwüste sehe ich bezogen auf die 2+2 Wochen die es uns betrifft gegenüber den neun Jahren wo wir Hamburger mit weltweiter Aufmerksamkeit eventuell was verändern könnten als mit Zähneknirschen hinnehmbar… Aber sicherlich sind wir nicht so blind dem Ganzen verfallen, dass wir einen Wirtschaftsprüfer überreden, Zahlen zu manipulieren. Ich würde es anders formulieren: wir haben ähnliche Sorgen was die Entmenschlichung innerhalb unserer Weltwirtschaftssysteme angeht und sind sicher in vielen vielen anderen Dingen auch gleicher Meinung, nur komme ich dadurch beim Thema Olympia und Abwägen aller (subjektiver und objektiver) Vor und Nachteile zu einem Ja. Teilweise sogar erst recht…

        P.S. Die Fritz-Kola Brüder und die durch ein moralisch unverständliches Monopoldenken der Sponsoren geschädigten Gastronomen im Umfeld der Wettkampfstätten würde ich übrigens dafür entschädigen. Und an Fritz-Kola’s Stelle würde ich schon mal die Kampagne „So, da sind wir wieder, habt ihr uns vermisst ;)“ für die Woche nach den Spielen buchen. Das ist nämlich meine großer Wunsch: Übel bekämpfen und besseres draus machen. Wenn wir zu Olympia NEIN sagen, gehen die einfach woanders hin… Für die Sponsoren gibt es bei uns Hamburgern mit Köpfchen sowieso nicht allzu viel zu holen. Ich weiß, dass Du jetzt sagen wirst, das halt alle zu Olympia nein sagen sollen, aber das ist vielleicht genauso wie mein Wunsch sehr romantisch

        • Michael Büker sagte:

          Hallo Gerrit – danke, dass Du Dir nochmal Zeit für eine Antwort genommen hast. Ich glaube ich verstehe, was Deine Idee ist: die Rahmenbedingungen des IOC annehmen, und kreativ „drumrum“ agieren, um etwas Cooles zu veranstalten. Ich glaube aber nicht, dass das möglich ist – das deutsche/europäische Urheberrecht oder solche Gesetzesunfälle wie die WLAN-Störerhaftung und das Leistungsschutzrecht zeigen, wie so ein Regulierungskorsett jede Kreativität erstickt. Mit TTIP, ISDS und immer weiter kommerzialisiertem und zensiertem Internet wird das alles auch zur Zeit nicht besser. Ich wünsche mir, dass meine Stadt wenigstens nicht noch mit einem blinden Kopfsprung tiefer in diesen kommerziellen und lobbykratischen Verhältnissen versinkt.

          Ich fürchte aber, es gibt aber im Senat vor allem Betonköpfe, die nur darauf schauen, was sich ihre Verbündeten in der Handelskammer wünschen. Die Haltung der Stadt bei den Themen Netzrückkauf, BIDs/Gefahrengebiete, Elbvertiefung, Luftqualität und HSH Nordbank lässt kaum Anderes vermuten. Wie beim Netzrückkauf auch besteht nun immerhin die Gelegenheit, dass die Mehrheit in einer großen Abstimmung solcher Politik eine Absage erteilt.

          Dass es Dir persönlich nicht um Geschäfte geht, sondern Dich Vorfreude, Begeisterung und Gestaltungswille bewegen, glaube ich Dir. Ich habe mich übrigens auch sehr gefreut, dass ihr mit dem MiWuLa geholfen habt, Flüchtlingen Zugang zu hochwertiger Freizeitgestaltung zu verschaffen. Aber der Senat, wie auch die PR-Kampagne in seinem Auftrag, argumentiert und handelt nicht ehrlich – und zudem ist selbst für den Senat der Stadt Hamburg das IOC etliche Nummern zu groß. Ich wünsche mir, dass meine Stadt solcher Politik eine Absage erteilt, und damit – wie Oslo – ein Vorbild für andere Städte ist.

    • Christiane sagte:

      Im oben zitierten Facebook-Eintrag stellt dein Bruder Frederick aber fest, dass nach der Guiness-Zählung noch über 4000 Leute später gekommen sind, die deshalb nicht mitgezählt wurden. Bei dir sind jetzt 5000 wegen den bösen 30 „Störern“ früher gegangen? Und alle sind auf keinem Foto zu sehen?

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